2013 Lahn-Kanutour - caffi

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

2013 Lahn-Kanutour


Kanutour auf der Lahn von Roth – Diez - 5 Tage – 108 km
In den Sommerferien 2013 sind wir mit drei Personen (Alter: 45, 18, 14) die Strecke von Roth bis Diez gefahren, insgesamt 108 km in 5 Tagen. Anstrengend aber machbar.

Gewöhnungsbedürftig bei der Vorbereitung war zunächst die negative und positive Kilometrierung der Lahn. Diese unterschiedliche Kilometrierung geht auf Streitigkeiten irgendwelcher Landesfürsten im späten Mittelalter zurück.

Die Boote (1erKajak, 2er Canadier) wurden bei dobi-trans in Weilburg gemietet, warum dort?! Mehr durch Zufall, dann ein paar Mal telefoniert, wir hatten den Eindruck der Mann „lebt BootsVerleih“, stimmt auch irgendwie, „der geht in seinem Bootsverleih richtig auf“ - außerdem einigermaßen günstig.
Das Auto wurde im Parkhaus in Weilburg geparkt, im „Keller“ des Parkhauses ist der Bootsverleih. Der Bootsverleiher hat uns mit seinem Pickup und den Booten lahnaufwärts nach Roth gebracht (ca. 45 Min Fahrtzeit), die Einsatzstelle ist dort unter einer Brücke. Die Boote müssen vom Auto dorthin ca. 80-100 Meter getragen werden.
Wir sind erst gegen 13 Uhr losgefahren. Einstieg war ca. Kilometer – (minus) 26. Die erste Wegstrecke war gekennzeichnet durch Nieselregen, der allmählich in einen ordentlichen Landregen übergegangen ist. Kein guter Einstieg. Zwischenzeitlich wurde eine Zwangspause unter einer Brücke vor Lollar gemacht, nach ca. 1-2 Stunden hörte der Regen dann doch irgendwann auf.
Zur Strecke: Diese führt zu Beginn durch ein Naturschutzgebiet, anhalten ist dort nicht erlaubt, die Fließgeschwindigkeit erschien uns gering, die Lahn ist hier noch recht schmal. Es sind lediglich 2- 3 kleinere Stromschnellen zu überwinden. Bei dem vorliegenden Wasserstand aber gut machbar.

Unterwegs gibt es eine Umtragestelle bei etwa Kilometer – 21; an der Umtragestelle in Lollar haben wir zwei Paddler getroffen. Diese berichteten, dass sie am Vortag auf Grund des Wasserstands das Boot zum Teil treideln mussten. In der Nacht hatte es heftig geregnet, so dass die Lahn ausreichenden Wasserstand aufwies und wir durchfahren konnten. Bei Lollar müssen die Boote ca. 80 Meter um getragen werden wegen eines Wehrs, mutige Kajakfahrer können es evtl. auch herunterfahren, mit dem Canadier ist dieses jedoch nicht machbar. Ein Bootswagen nützt an dieser Stelle recht wenig, da der Weg sehr holprig und uneben ist.
Ziel des ersten Tages war das Gelände vom KSC Gießen, auf der linken Lahnseite. Die Übernachtungsmöglichkeit liegt bei Flusskilometer – 6. Platz ist dort eigentlich nur für geschätzte 6-8 kleinere Zelte; Anmeldung erfolgte für uns über das Restaurant Lahnterrassen, das an das Gelände angrenzt, Übernachtungskosten: 17.50 Euro; Sanitäranlagen: top, es steht ein fester Pavillon zur Verfügung mit fließendem kalten und warmen Wasser zum Spülen und Kühlschrank und ein paar Sitzgelegenheiten, der Clou: wir waren die einzigen Gäste in dieser Nacht. Bei gutem Wetter oder in der Hochsaison sollte man sich vorher zur Sicherheit anmelden, da der kleine private Platz nur bedingt Zelte aufnehmen kann.
Eine Einkaufsmöglichkeit in unmittelbarer Nähe haben wir nicht gesehen. Störend ist die Entfernung zur Bahnstrecke, Luftlinie ca. 80 Meter. Auch nachts relativ viel Bahnverkehr. Eigentlich hatten sämtliche Zeltplätze eine „gute Bahnanbindung“, Empfehlung für sensible Ohren: Ohrenstöpsel. Irgendwann kann einem der Bahnverkehr schon auf die Nerven gehen, da auch nachts die Bahnstrecke von Güterzügen genutzt wird.
Vorher gibt es zwischen Kilometer – 13 bis – 10,9 zwei Übernachtungsmöglichkeiten: Campingplatz Wißmarer See und Paddelclub Wißmar. Auf dem Gelände können Paddler wohl auch ihr Zelt aufschlagen.


Der 2. Tag zeigte sich bewölkt, aber trocken. Gleich nach dem Start müssen in Gießen drei Bootstreppen überwunden werden.
Am Ende der ersten Bootstreppe nahm unser Kajakfahrer intensiven Kontakt mit der Lahn auf, sprich: Kenterung, Fahrer nass, Sachen dank wasserdichten Packsäcken trocken. Der Canadier nahm diese und auch die weiteren Bootstreppen problemlos. Bei Naunheim sind wir dann auf die erste Selbstbedienungsschluse gestoßen. Wer noch nie selbst geschleust hat, muss die Beschreibung an der Schleuse zunächst studieren. Bei den weiteren Schleusen steht der Spaßfaktor im Vordergrund.
Der „neutrale Flusskilometer NULL“ wird bei den Dutenhofener Seen erreicht.
Nach ca. 15 km an dem Tag kommen wir am Campingplatz Wetzlar vorbei (ca. Flusskilometer +10), wir fahren jedoch weiter Richtung Wetzlar. Dort sind einige Wehre zu überwinden, wo wir immer ausgestiegen sind. Ein Wehr kann auch als Bootstreppe genutzt werden. In Wetzlar besteht die Möglichkeit im Innenstadtbereich eine Pause einzulegen, um dort den Dom und die Altstadt zu besuchen. Geschätzte Gehzeit bis zum Dom ca. 15 Minuten. Wir fahren jedoch an Wetzlar vorbei und einigen uns auf das Ziel Zeltplatz Schohleck. Der Zeltplatz liegt bei Flusskilometer + 23, so dass wir am 2. Tag insgesamt rund 29 km gefahren sind. Zum Schluss werden die Arme müde und die Lust sinkt. Auf dem Weg zwischen Wetzlar und dem Zeltplatz liegen noch zwei Schleusen. Die Strömung ist zwischen den beiden Schleusen fast gleich null, da es sich um eine Art Lahn-Kanal handelt. Vor dem Zeltplatz in Schohleck ist die Strömung deutlich erhöht, so dass man aufpassen muss, dass der Ausstieg auf der linken Seite nicht verpasst wird.
Der Himmel klart wie vorhergesagt im Laufe des Tages deutlich auf, gegen Mittag scheint richtig die Sonne.
Den Zeltplatz teilen sich gleich mehrere Kanu-Verleiher und Outdoor-Veranstalter, Übernachtungskosten: 21 Euro, Brötchen-Bestelldienst vorhanden, Sanitäranlagen gingen so. Nach dem Ausstieg besser auf den linken Zeltplatz gehen, dort sind eher die Kanuwanderer „beheimatet“, während rechts eher die Jugendgruppen und Schüler auf Klassenfahrt nächtigen; hier gibt es einen Mini-Kiosk, aber in der näheren Umgebung keine weitere Einkaufsmöglichkeit; Entfernung Zeltplatz – Bahnstrecke ca. 150 Meter.
Der dritte Tag überrascht mit strahlend blauem Himmel. Die Strömung auf den ersten Kilometern haben wir als recht flott in Erinnerung behalten. Bereits bei Kilometer + 24 machen wir eine kurze Einkaufspause. Von der Anlegestelle am Bahnhof in Leun sind es nur ca. 3 Minuten bis zum REWE-Einkaufsmarkt, wo die Vorräte aufgefüllt werden können. Die nächsten Kilometer haben wir als recht unspektakulär in Erinnerung behalten: ruhiger Flussabschnitt, Landschaft zum Entspannen, keine Schleusen, keine besonderen Burgen in unmittelbarer Flussumgebung.
Highlight ist dann der einzige Flusstunnel Deutschlands in Weilburg, bei Kilometer + 39,3. Er ist fast 200 Meter lang und für uns überraschend schlecht beleuchtet bei unserer Einfahrt. Im Tunnel und direkt danach befindet sich eine 2-stufige Schleuse, die auch wieder von Hand bedient werden müssen. Hier treffen wir auf rund 8 andere Boote, ansonsten haben wir meist nur mit 3-4 anderen Booten geschleust oder waren ganz alleine in den Schleusen. Direkt nach dem Tunnel befindet sich auf der rechten Seite ein Jugendcampingplatz, der zunächst unser Ziel sein sollte. Jedoch sieht er sehr einfach und wenig einladend aus, so dass wir uns zum Weiterfahren entscheiden.
Bei gutem Wetter und angenehmer Strömung erreichen wir schnell den Campingplatz Odersbach, der laut unseren Informationen sehr gut ausgestattet sein soll (Minigolf + kleines Schwimmbad), wir entscheiden uns jedoch wegen der Pizzeria – Empfehlung in Gräveneck zur Weiterfahrt. Wir ziehen italienische Pizza einer Minigolf-Runde vor.
Vorher muss aber noch die Schleuse Kirchhofen überwunden werden, die nach unserer Einschätzung das höchste Gefälle überwunden hat.
Die 3. Nacht haben wir auf dem Zeltplatz in Gräveneck verbracht, auf der linken Seite der Lahn gelegen, viele Dauercamper, Ausstieg für Kanuten ist ziemlich am Ende des Zeltplatzes. Einfache Wiese, Duschen und Sanitäranlagen sehr großzügig, allerdings ca. 5 Minuten Gehzeit, einfacher WC-Container in der Nähe, kleiner Kiosk auf dem Campingplatz mit Brötchenbestelldienst. Sonst scheinbar keine Einkaufsmöglichkeit in der direkten Umgebung. Mit uns waren noch 5-6 andere Zelte auf dem Zeltplatz für Kanuwanderer. Die Wiese hätte aber gut die 10-fache Anzahl an Zelten aufnehmen können. Recht stolzer Übernachtungspreis: rund 25 Euro einschließlich Duschmarken. Sehr zu empfehlen: die Pizzeria im Hauptgebäude. Auch wenn es nicht ganz Kanuwanderer – like ist und abends eigentlich selbst gekocht wird: der Besuch in der Pizzeria lohnt sich. Faire Preise, sehr lecker.
Am vierten Tag stehen 18 Kilometer an, die wir spät beginnen. Einige Schleusen stehen an, in Vilmar passiert man die einzige Marmorbrücke Deutschlands. Diese Brücke haben wir uns beeindruckender vorgestellt. Der Tag verläuft gemütlich bei richtig gutem Wetter. Kurz vor Runkel muss noch eine Schleuse überwunden werden. Gut, dass wir inzwischen einige Erfahrung beim Selbst-Schleusen haben. Wir haben den Eindruck, dass die zahlreichen Zuschauer an der Schleuse nur auf irgendwelche Fehler der Kanufahrer warten.
Ziel der 4. Nacht war der Zeltplatz Runkel, eigentlich fährt man schon an Runkel vorbei, dann kommt der Zeltplatz von Lahntours auf der linken Seite. Aufpassen: kurz vor dem Anleger ist eine für die Lahn relativ starke Strömung. Ausstieg nicht verpassen. Der Zeltplatz wird von dem Kanuverleiher Lahn-Tours betrieben. Einfacher Campingplatz für Wasserwanderer, scheinbar gibt es dort auch einige Dauercamper, aber überschaubar. WC-Anlagen - nach unserem Ermessen – gerade noch ok, Preis ca. 23 Euro (3 Personen, 1 Zelt, 2 Boote).
Interessant hier: in 2-3 Minuten ist man bei einem großen REWE-Markt, Öffnungszeiten bis 22 Uhr. Auch hier ist anzumerken: Bahnstrecke und Straße in unmittelbarer Nähe. Eine kurze Besuchsrunde durch Runkel dauert ca. 45 Minuten.

Der 5. Tag hatte eine Wegstrecke 16 km: von Runkel (Zeltplatz von Lahntours, Kilometer + 66) bis Diez (Zeltplatz Oranienstein am linken Lahnufer, Kilometer + 82). Da das Auto nachgeholt werden muss und wir etwas auf den Fahrplan der Bahn angewiesen sind, brechen wir schon recht früh gegen 9 Uhr auf.
Die Lahn wird breiter und die Strömung ist teilweise nur noch sehr gemächlich. Beeindruckend ist nach 2-3 Kilometern die Lubentiuskirche bei Dietkirchen, dort ist eine gute Anlegestelle zum Rasten. Ab der Hälfte der Strecke ist Motorschifffahrt eerlaubt. Da wir in der Woche unterwegs sind, sehen wir kein einziges fahrendes Motorboot. In Limburg werden wir geschleust, wir können zum ersten Mal in den Booten sitzen bleiben. Hier sollte bei den Fahrten die Schleusenzeiten und die Mittagspause des Schleusenwärters berücksichtigt werden. Ansonsten passieren wir Limburg relativ schnell und unspektakulär, so dass wir nach zügiger Fahrt bereits gegen 13 Uhr unser Ziel der Kanutour erreichen: Campingplatz Oranienstein mit einer guten Slipanlage. Wir ziehen die Boote problemlos an das Ufer. Der Zielpunkt ist vorher mit dem Kanuverleiher vereinbart worden. Wir hatten aber auch die Option die Kanus an anderen definierten Stellen an Land zu bringen.

Zwei Personen sind bei den Booten und dem Gepäck geblieben, für die dritte Person hieß es jetzt auf dem Bahnhof nach Diez, Wegstrecke dorthin ca. 2.5 km, Eile war geboten, da der nächste durchgehende Zug nach Weilburg bereits um viertel vor zwei fuhr. Dank des vorher ausgedruckten Stadtplans von Diez war der Weg gut zu finden.
Die Bahnstrecke ist gut frequentiert und wenn man die Tour z.B. in Limburg beendet wird, fahren die Züge lahnaufwärts ohne Umsteigenotwendigkeit. Bei einem späteren Ausstieg (Diez oder noch weiter lahnabwärts) muss meistens in Limburg umgestiegen werden.
Die Bahnfahrt dauerte ohne Umsteigen ca. 30 Minuten, Autoabholung und Rückfahrt zum Campingplatz nach Diez weitere ca. 45 Minuten plus Wegzeit Campingplatz – Bahnhof.

Fazit:
Die 108 km sind in 5 Tagen zu schaffen - will man aber etwas von den historischen und sehenswerten Kirchen, Burgen und Städten mitnehmen, müssen bestimmt 2 Tage mehr angesetzt werden, z.B. Besuch der Burg Braunfels, Besichtigung von Wetzlar oder Limburg. 5 Tage sind schon recht sportlich angesetzt.

Die Lahn wird immer als der Kanu-Fluss Deutschlands angepriesen. Wir haben mit wesentlich mehr Kanufahrern gerechnet – vielleicht lag es auch daran, dass wir in der letzten Woche der NRW-Sommerferien gefahren sind und in Hessen und Rheinland – Pfalz die Schulen schon wieder angefangen hatten.

Bei dem Wasserstand der Lahn, den wir erlebt haben, waren die Ansprüche an die Kanu-Fahrer mittelmäßig bis gering.

Wir geben hier nur unsere Erfahrungen und Eindrücke aus dem August 2013 wieder. Dieser Bericht kann und soll keine ausführliche Vorbereitung auf eine mögliche Tour ersetzen.

Wir haben das Buch Lahn – Kanu kompakt zur intensiveren Vorbereitung genutzt, dort finden sich auch zahlreiche Telefonnummern von Campingplätzen.
Zudem sind auf den Internetseiten der Kanuverleiher zum Teil gute und ausführliche Informationen zu finden. Nach einigem Suchen findet man dort u.a. bei dem Anbieter Krumos ein pdf-Dokument, wo Campingplätze, Schleusen und andere wichtige Punkte Kilometer genau aufgeführt sind.

 
Copyright 2017. All rights reserved.
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü